Bus Rapid Transit (BRT) in Europa

Eindrücke vom nachhaltigen Mobilitätskonzept aus Straßburg

In Europa erkennt man zunehmend die Vorteile effektiver, städtebaulich attraktiv gestalteter Busverkehrssysteme. Vorreiter ist Frankreich, denn dort fördert der Staat den Ausbau von BRT-Systemen massiv. Aber wie sieht ein solches BRT-System konkret aus? Robert Möhring, Praktikant des BRT-Teams, begibt sich in Straßburg auf Spurensuche.

 

31. Januar 2014, in Straßburg: Hier verkehren seit Anfang November 2013 zehn Citaro G CNG der „Ligne G“ in einem sogenannten BHLS-Korridor. Nachdem ich mich im Rahmen meines Praktikums bereits mit der Anwendbarkeit von BRT Systemen für die Stadt Berlin beschäftigt hatte, konnte ich es kaum erwarten, ein BRT System in der Praxis zu betrachten. BRT wird in Europa auch BHLS genannt. Beide Begriffe sind eigentlich miteinander verwandt. BRT steht für „Bus Rapid Transit“, BHLS für „Buses with High Level of Service“. 

BRT bedeutet, dass Städte für Busse eigene, baulich abgegrenzte Trassen einrichten, auf denen moderne Busse verkehren, die an Kreuzungen gegenüber dem übrigen Verkehr bevorrechtigt sind. Vielerorts ist BRT das erste richtig organisierte, öffentliche Transportmittel mit hoher Beförderungskapazität. Außerhalb Europas wird normalerweise die Bezeichnung BRT benutzt, in Europa hingegen spricht man eher von BHLS. Hier ist das gesamte Design an den Kontext europäischer Städte angepasst und weniger auf Kapazitätsmaximierung ausgerichtet. Die Aufwertung des urbanen Ambientes steht im Vordergrund.

Während der Bauphase war das Mercedes-Benz BRT-Team mehrfach in Straßburg, um die Hintergründe des Projekts mit dem Betreiber CTS und der Planungsbehörde zu besprechen. Die Entscheidung für BHLS anstelle einer Tram wurde bewusst vor dem Hintergrund knapper finanzieller Mittel und einer besseren Erschließung des Planungsgebietes getroffen. Dies ist sicherlich ein Aspekt, der auch für viele deutsche Kommunen relevant ist.

10:00 Uhr: Sonnenschein, optimales Wetter zur Erkundung des Korridors. Wo früher noch ein Acker war, ist heute der nördliche Park & Ride Parkplatz und Endpunkt der „Ligne G“. Umstieg vom Pkw in den Bus auf kürzestem Weg! Es ist beeindruckend, wie viel attraktiver und freundlicher der Straßenraum mit dem Korridor im Vergleich zu einer normalen, vierspurigen Straße wirkt. Man kann sagen: Die „Ligne G“ mit ihrem harmonisch-modernen Design und intelligenten Details – wie z. B. der farblichen Gestaltung von Innenraum und Karosserie – kommt gut an. Haltestellen-Elemente und Materialien sind so geschickt arrangiert worden, dass alles durchdacht und hochwertig wirkt.

Um 10:30 Uhr: treffe ich eine Gruppe Schüler (ein Teil der ca. 10.000 täglichen Fahrgäste). Sie sind zur Haltestelle „Chambre de Metiers“ ins Gewerbegebiet „Espace Européen de l’Enterprise“ gefahren, um die bunten Busse zu betrachten. 

11:30 Uhr, nächster Halt: Arago. Hier führt der neue BHLS Korridor durch ein Viertel mit typischem sozialen Wohnungsbau der 60er und 70er Jahre (franz. „cité“). Ich habe den Eindruck, dass der Korridor bereits jetzt das Viertel spürbar aufwertet und die Aufenthaltsqualität verbessert. 

Zu Fuß geht es weiter in Richtung „Rieth“. Eine interessante Kreuzung, da man hier noch deutlich die Spuren der ursprünglichen Trassenplanung für die Tram sieht. Umliegend erstreckt sich eine durchwegs moderne Bebauung, die fast zeitgleich mit dem Bau der BHLS-Strecke hochgezogen worden ist. Aus planerischer Sicht ein gutes Beispiel für eine gelungene Integration von Stadt- und Verkehrsplanung. 

 

12:30 Uhr: Die komplexeste Kreuzung im Streckenverlauf bei der Zentrale der CTS. Unterführte hier Anfang 2012 noch ein Tunnel die Bundesstraße, ist von diesem heute nichts mehr zu sehen. Ich bin begeistert, mit welcher Konsequenz selbst solche Infrastrukturen für den BHLS-Korridor angepasst worden sind!

13:30 Uhr: Ankunft am Hauptbahnhof „Gare de Strasbourg“. Meine erste Fahrt in einem BHLS-System mit einem Citaro G CNG ist zu Ende.

Auf der Rückfahrt nach Stuttgart bin ich überzeugt: Genau solche schicken BHLS-Korridore brauchen wir auch in Berlin und anderen deutschen Städten!

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