Christoph Rethmann

Bus Rapid Transit (BRT)

Freitagmorgen, 10 Uhr, Straßburg. Wer bei Straßburg an charmante Fachwerkhäuser, guten Wein und Flammkuchen denkt, greift zu kurz. Denn in Straßburg besteht seit dem Jahr 2013 ein innovatives BRT-System und setzt damit neue Maßstäbe im europäischen Personennahverkehr. Frei nach dem Motto „Liberté, Egalité, Mobilité“.

Aber wie sieht so ein BRT-System eigentlich in der Realität aus? Um diese Frage zu beantworten, treffe ich mich mit Christoph Rethmann auf dem Park and Ride-Platz (P+R) am Espace Europeén de l‘Entreprise im Straßburger Vorort Schiltigheim. Christoph Rethmann ist noch neu bei Daimler Buses, mit Frankreich und seinen modernen städtischen Verkehrssystemen allerdings bestens vertraut. Der 29-Jährige macht einen bodenständigen, unaufgeregten Eindruck auf mich. Er spricht bedächtig und mit ruhiger Stimme.

Wahrscheinlich liegt’s an seiner westfälischen Herkunft. Christoph Rethmann wuchs im Münsterland auf und ging in Greven zur Schule. In der an der Ems gelegenen Stadt in Nordrhein-Westfalen machte er sein Abitur am Gymnasium Augustinianum. Seine Freizeit verbrachte er auf Bolzplätzen und auf dem Rennrad. In einer Gegend, in der man als Fußball-Enthusiast schwarz-gelb oder blau-weiß trägt, ist Christoph Rethmann allerdings Fan des FC Bayern geworden. Fußball spielt er auch heute noch gerne mit seinen Freunden, die mittlerweile in ganz Deutschland verstreut leben. Manchmal treffen sie sich in der Heimat auf dem Platz ihres alten Fußballvereins und tauschen sich bei Bier und Würstchen über alte Geschichten aus.

In Straßburg zeigt mir Christoph Rethmann die „Ligne G“, auf der Busse den Hauptbahnhof mit dem Espace Europeén de l’Entreprise verbinden. Dort befindet sich neben zahlreichen Forschungs- und Hochschuleinrichtungen auch das Arbeitsamt. Die „Ligne G“ ist eine besondere Buslinie. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, das nordwestliche Stadtgebiet in den öffentlichen Nahverkehr zu integrieren, fiel die Wahl der Stadt Straßburg auf ein sogenanntes BRT-System. Während der Bauphase war das Daimler Buses BRT-Team mehrfach in Straßburg, um vor Ort die Hintergründe des Projekts mit dem Betreiber Compagnie des Transports Strasbourgeois und der Planungsbehörde zu besprechen.

„BRT steht für Bus Rapid Transit“, erklärt mir Christoph Rethmann. „Bei diesem System fahren unsere Mercedes-Benz-Busse auf baulich abgegrenzten Trassen. An Kreuzungen sind sie anderen Verkehrsteilnehmern durch intelligente Ampelschaltungen bevorrechtigt.“  

 

 

 

Vom P+R fahren wir mit dem Bus in Richtung Hauptbahnhof. Die Fahrt dorthin dauert etwa 15 Minuten. Christoph Rethmann erzählt mir von seinem Auslandsaufenthalt in Lyon, den er während seines Studiums absolviert hat und so unsere Nachbarn besser kennenlernen konnte. Nach seinem Studium der Geographie mit dem Schwerpunkt Raumplanung an der Universität Trier verschlug es ihn beruflich nach Radolfzell am Bodensee und anschließend nach Basel. In der Schweiz arbeitete er zuletzt für ein größeres Ingenieurunternehmen. Wie es sich wohl als Deutscher unter Schweizern lebt?

„Basel ist durch seine Pharmaindustrie eine sehr internationale Stadt. Da fällt es nicht weiter auf, ob ein Deutscher mehr oder weniger da ist. Grundsätzlich sind sich Schweizer und Deutsche auch nicht so unähnlich wie man vielleicht meint. Gemocht habe ich auf jeden Fall die zurückhaltende und freundliche Art der Schweizer.“

Auf halber Strecke steigen wir an der Station Lavoisier aus. Der Bus hält hier in der Mitte eines kreisförmig angelegten Wohnkomplexes. Gerade wird zwischen den Gebäuden ein neuer Spielplatz angelegt. „Die soziale Dimension kommt in der Diskussion um Nachhaltigkeit oft zu kurz“, meint Christoph Rethmann. Dabei seien es doch gerade die modernen Busse, die es vielen Bewohnern der Vororte erst ermöglichen, mal eben schnell ins Stadtzentrum zu gelangen. Auch die Berufspendler profitieren vom BRT-System. Das Auto stellen sie auf dem P+R ab und entgehen so dem stressigen Berufsverkehr in der Stadt. Durch die Bustrassen kommt Leben in die Viertel. Der Rundbau in Lavoisier ist das beste Beispiel. Wo vorher ein großer leerer Platz war, fährt nun alle paar Minuten ein Bus hindurch und bringt die Bewohner der umliegenden Wohnbauten an den Bushaltestellen zusammen.

Christoph Rethmann nutzt auch selbst gerne öffentliche Verkehrsmittel. Er besitzt kein eigenes Auto, kurze Strecken legt er auf dem Fahrrad zurück. Im Bus oder in der Bahn könne man die Zeit gut nutzen und Zeitung lesen.

Im BRT-Team bei Daimler Buses fühlt er sich thematisch sehr gut  aufgehoben. „Mir war es wichtig, mich mit nachhaltiger Mobilität auseinanderzusetzen. In Regionen mit drängenden Problemen können wir sehr gute Lösungen anbieten. Es ist schön, dass ich einen Beitrag dazu leisten kann.“ Konkret übernimmt Christoph Rethmann im BRT-Expertenteam verschiedene Aufgaben: Von der Planung von BRT-Systemen über Besuche mit potenziellen Kunden zu BRT-Systemen wie in Straßburg oder Istanbul bis hin zu Präsentationen auf Messen und Fachtagungen leisten die Experten von Daimler Buses in vollem Umfang BRT-Beratung.

Auf meine Frage, ob er ein Idealist sei, antwortet Christoph Rethmann auf seine eigene bescheidene Art: „Ich bin realistisch genug einzuschätzen, was umsetzbar ist. Mir ist immer auch wichtig, offen für Kompromisse zu sein.“

Wir sind mittlerweile am Hauptbahnhof angekommen. Von dort sind es nur noch ein paar Meter zu Fuß in die Innenstadt. Wer gerne schneller vorankommen möchte, kann sich auch eines der vielen Fahrräder des Anbieters Vélhop ausleihen. Die Räder stehen in der ganzen Stadt verteilt. Dank zahlreicher Leihoptionen, die auch mit Tickets für Bus und Tram kombinierbar sind, ergänzen die Fahrräder das öffentliche Verkehrsnetz.

Wenn Christoph Rethmann seinen neuen Arbeitsplatz betrachtet, sagt er, er fühle sich sehr wohl hier und der Einstieg wurde ihm sehr leicht gemacht.

Umstellen muss er sich hier dennoch ein bisschen. In einem Großkonzern sind die Wege eben doch manchmal länger – aber das lässt sich ab einer bestimmten Größe auch nicht vermeiden ergänzt er.

Text: Jonathan Wagner

Fotografie: Jens Arnold, Jonathan Wagner

Was ist BRT?

Bus Rapid Transit (BRT) ist ein qualitativ hochwertiges Nahverkehrssystem, bei dem Busse auf einer exklusiven Fahrspur verkehren, an Kreuzungen priorisiert geführt werden und somit geringe Reisezeiten erreichen.
Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Urbanisierung ist Bus Rapid Transit somit ein wichtiges Wachstumskonzept: Experten gehen davon aus, dass im Jahr 2050 rund zwei Drittel der Menschen weltweit in Städten lebt.

Mit Bezug auf die Gesamt-CO2-Bilanz gehört BRT zu den effizientesten Nahverkehrssystemen. Zusätzlich wird der Personennahverkehr selbst in der Hauptverkehrszeit durch die geringen Reisezeiten besonders attraktiv und gibt Anreize, vom Individualverkehr umzusteigen. So werden Staus reduziert, der Verkehr entlastet und weitere CO2-Emissionen vermieden. Ein wichtiger Vorteil von BRT-Systemen ist außerdem, dass sie sich leicht in gegebene städtische Strukturen eingliedern lassen.

Ein charakteristisches Merkmal der BRT-Systeme ist die beschleunigte Abfertigung der Fahrgäste, indem Tickets bereits vor Fahrtantritt erworben werden.  Außerdem zeichnen sich BRT-Systeme  durch ein spezifisches Design der Fahrzeuge  und Haltestellen aus. Die Integration in das bestehende Verkehrssystem erfolgt durch ein abgestimmtes Ticketsystem,  dynamische Fahrgastinformationssysteme und die konsequente Integration von Park+Ride und Bike+Ride entlang der Trasse. Neben einer Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrsangebotes können durch BRT-Systeme auch beachtliche städtebauliche Aufwertungen erfolgen.  Erfolgreiche Beispiele gibt es sowohl in den schnell wachsenden Metropolen der Erde wie Rio de Janeiro und Istanbul, als auch in mittleren europäischen Großstädten wie Nantes und Straßburg. Besonders in Entwicklungsländern spielen BRT-Systeme auch eine wichtige soziale Rolle. Dort wird vielen Menschen durch die vergleichsweise kostengünstigen und schnell zu implementierenden BRT-Systeme oft zum ersten Mal Zugang zu sicherer und bezahlbarer Mobilität und damit auch zu gesellschaftlicher Teilnahme ermöglicht.
Insgesamt gibt es derzeit rund 180 BRT-Systeme weltweit. Rund jeder zweite dort eingesetzte Bus stammt dabei von Daimler Buses. Daimler Buses bietet im Bereich Bus Rapid Transit ein Gesamtpaket an, das aus Fahrzeugen sowie Beratungs- und Finanzierungsdienstleistungen besteht.

 

 

 

 

 

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